Auf Safari in Niedersachsen
von Carola Vahldiek (Ungekürzte Fassung)
Im Norden Deutschlands haben Tiere
aus allen fünf Kontinenten ein Zuhause gefunden: Elefanten,
Paviane, Nashörner, Gorillas, Schimpansen, Tiger, Strauße
und andere Exoten tummeln sich im Serengetipark Hodenhagen direkt vor
der Linse des Fotografen. Viele Gehege sind begehbar und bieten daher
ideale Bedingungen, die wilden Tiere hautnah zu erleben.
Der Serengetipark Hodenhagen zwischen Bremen, Hamburg und Hannover ist
bei Naturfotografen kaum bekannt. Dabei bietet der Park, der mit dem
eigenen Wagen durchfahren und teilweise sogar zu Fuß betreten
werden kann, gute Aufnahmemöglichkeiten verschiedener Tierarten
besonders des afrikanischen Kontinents. Der Park besteht aus vier
verschiedenen, thematisch gegliederten Bereichen. Zwei davon, das
Freizeit- und das Wasserland, dienen vor allem dem Vergnügen. Oft
wird der Park daher vor allem wegen der vielen Freizeitangebote
angesteuert. Für den Naturfotografen wenig interessant
eröffnen sie jedoch die Möglichkeit, der fotomüden
Familie einen unterhaltsamen Tag zu bieten und gleichzeitig in Ruhe
fotografieren zu können. Hierfür sind die beiden anderen Teile
des Parkes, das Tier- und das Affenland, bestens geeignet.
Maki (Lemur fulvus) im Sprung
Nikon F 100, Nikkor 2.8/80-200mm, Blitz, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Die Affenbande
Das Tierland ist der älteste Teil des Parks, der seit 1974
für den Besucher geöffnet ist. Es wurde zwischenzeitig
erweitert, neue Tierarten wurden aufgenommen, Umbauten wurden umgesetzt.
Erst vor einigen Jahren eröffnet wurde dagegen das Affenland. Es
ist das eigentliche Highlight für den Fotografen. Hier befinden
sich unter anderem vier Freigehege für unterschiedliche Arten. Sie
können durch Schleusen betreten werden. Ohne jegliche Abgrenzung,
in einer Umgebung von Bäumen, Büschen und offenen Flächen
lassen sich hier Fotos wie in freier Natur aufnehmen - nur einfacher.
Die Affen haben sich bereits so sehr an die Gegenwart von Menschen
gewöhnt, dass sie alle natürlichen Verhaltensweisen zeigen
ohne sich von den großen Verwandten stören zu lassen. Ein
guter Beweis ist der alljährliche reichliche Nachwuchs. Er
lässt sich am besten von Ende Mai bis Juni fotografieren, wenn die
Mütter ihre Kleinen nach anfänglicher Vorsicht ohne Bedenken
in die Nähe der Menschen tragen oder dort spielen lassen.
Ich persönlich fotografiere am liebsten bei den Kattas. Zum einen
ist die Gestaltung des Geheges besonders gut gelungen, zum anderen sind
diese schwarz- weiß- grau gezeichneten Tiere mit den orangenen
Augen besonders fotogen. Weil sie jedoch auch Publikumslieblinge sind,
ist hier nicht immer ungestörtes Arbeiten möglich. Da die
Menschen streng an den Rundweg gebunden sind, sind aber auch bei
großem Besucherandrang immer gute Motive zu verwirklichen.
Besonders bei den Kattas ist mittlerweile jedoch auch eine nicht
natürliche Verhaltensweise zu beobachten: In diesem Gehege muss man
ständig auf der Hut vor neugierigen und diebischen Affenhänden
sein, die alles, was nicht niet- und nagelfest ist, entführen. Ist
dies erst einmal geschehen, besteht kaum eine Chance, den Film, den
Objektivdeckel oder was auch immer zurückzubekommen, bevor er nicht
von allen Affen gründlich untersucht, beschnuppert, angeknabbert
und unter lautem Kreischen die Bäume hinauf- und hinuntergetragen
wurde. Das kann durchaus einen Tag dauern. Und wenn etwas allzu
interessant ist, so kann es durchaus vorkommen, dass ein Affe
unversehens den Träger erklimmt oder eine nicht richtig
verschlossene Tasche öffnet, um zu stibitzen. So darf man sein
Augenmerk hier nicht ausschließlich auf die sich immer wieder
unversehens bietenden wunderbaren Motive richten, sondern muss
gleichzeitig ständig auf das Zusammenhalten seiner Ausrüstung
bedacht sein.
In den begehbaren Affengehegen sind neben den Kattas auch
Totenkopfäffchen, Weißkopfmakis, Geoffroy Klammeraffen,
Weißhandgibbons, Berberaffen und Hanuman- Languren anzutreffen. In
gitterfreien Gehegen durch Gräben von den Besuchern getrennt bieten
außerdem Gruppen von Schimpansen und Flachlandgorillas gute Motive.
Totenkopfäffchen (Samiri scurieus)
Nikon F 100, Nikkor 2.8/80-200mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Als Objektiv bietet sich ein 80-200 mm Zoomobjektiv an, mit dem man auf
die agilen Tiere am besten reagieren kann. Teilweise arbeite ich auch
mit einem 105 mm Makroobjektiv, um Portraits der kleineren Affen
formatfüllend verwirklichen zu können. Häufig ist auch
der Einsatz eines Blitzgerätes als Aufhellblitz im Grün der
Bäume und Büsche sinnvoll. Allerdings reduziere ich dessen
Leistung in der Regel etwas, um den Eindruck natürlichen Lichts zu
erhalten.
Wilde Tiere - ganz nah
Im Tierland führt das weitgehende Fehlen von Zäunen, Gittern
und trennenden Gräben wiederum zu besonders guten
Fotomöglichkeiten. Das einige Hektar große Tierland ist in 15
Sektionen aufgeteilt, die mit Busführungen oder mit dem eigenen
Wagen auf einem vorgegebenen Weg durchfahren werden. In der Europa-
Sektion ist das Aussteigen erlaubt, bis auf wenige Sektionen
können die anderen mit offenen Fenstern durchfahren werden. Tiere
aus allen fünf Kontinenten kommen hier so nah an die Fahrzeuge,
dass ein 80-200 mm Zoomobjektiv mein Mittel der Wahl ist. Teilweise
arbeite ich sogar mit dem Makro, um z.B. eine Detailaufnahme des Auges
einer neugierigen Giraffe zu verwirklichen. Aber auch längere
Brennweiten tun in den weitläufigen Gehegen ihre Dienste.
Büffel, verschiedene Antilopen, Bisons, Gazellen und andere
Paarhufer, Strauße und Emus, Afrikanische Wildhunde, Paviane und
Schwarzbären bevölkern die verschiedenen Sektionen ebenso wie
Afrikanische Elefanten. Diese allerdings haben in der Anfangszeit des
Parkes wegen ihrer Neugierde, ihrer Kraft und ihrer Verspieltheit so
viele Schäden an den Autos der Besucher angerichtet, dass sie nun
hinter einer Absperrung leben.
Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana africana) von hinten
Nikon F 100, Nikkor 2.8/80-200mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Vor kurzem hat sich der Park entschlossen, diese großen
Dickhäuter zu züchten. Ein 13jähriger Bulle ist bereits
eingezogen. Bis zur ersten Mastzeit, der "Brunft" der Elefanten,
müssen nun die im Bau befindlichen besonders stabilen Absperrungen
und ein gesonderter Bullenstall fertiggestellt werden, um den
überschäumenden Kräften des Bullen Einhalt zu bieten.
Neben Berlin wird dann Hodenhagen der einzige Ort Deutschlands sein, in
dem das Paarungsverhalten Afrikanischer Elefanten beobachtet werden kann.
Erwähnenswert ist auch der häufige Nachwuchs der
Breitmaulnashörner. Eines der in Hodenhagen geborenen
Nashörner wurde vor einigen Jahren erfolgreich in Afrika wieder
ausgewildert.
Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) mit Jungem
Nikon F 100, Nikkor 2.8/80-200mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Auch große Rudel von Raubkatzen hat der Park zu bieten. Bei den
Löwen und Tigern ist, wie auch in den anderen Sektionen, das Auto
der einzige Schutz des Besuchers. Allerdings ist es hier verboten, die
Fenster zu öffnen, so dass der Fotograf nicht recht auf seine
Kosten kommt. Da sich die Tiere sehr an die Autos gewöhnt haben und
keine Scheu vor Menschen haben, wäre ein Öffnen der Fenster
Leichtsinn. Dies gilt auch für die Sektion 11, in der die
neugierigen Schwarzbären leben. Hier bieten sich zwar gute
Beobachtungs- aber weniger gute Fotomöglichkeiten.
Trotzphase (Kattas, Lemur catta)
Nikon F 100, Nikkor 2.8/80-200mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Ferienzeiten meiden
Im Tierland führt der vorgeschriebene Weg in Schlangenlinien durch
die Sektionen. Je nach Standpunkt kann es daher sein, dass gerade
im entscheidenden Augenblick ein knallrotes Auto eines anderen Besuchers
im Hintergrund erscheint. Um dies zu vermeiden, ist es sinnvoll, den
Park antizyklisch zu besuchen. Dies ist sowohl auf die Jahreszeit wie
auf Wochentage und Tageszeit bezogen möglich. Natürlich ist
der Park an Wochenenden, insbesondere zu Ostern und Pfingsten besonders
stark frequentiert.
Wegen der geringeren Kontraste bevorzuge ich zudem Tage mit bedecktem
oder wolkigem Himmel, wenn wenige andere Besucher erscheinen.
Kältere Tage eignen sich ebenfalls. Sollte es zu frisch sein,
sollte man sich jedoch nicht auf das Fotografieren der Kattas
versteifen. Diese setzen sich dann gern in große Gruppen zusammen,
wärmen sich gegenseitig und bewegen sich über lange Zeit nicht
von der Stelle.
Wichtig zu wissen ist, dass die meisten Besucher zunächst durch
das Tierland fahren und anschließend in die anderen Parks gehen.
Die Freigehege der Affen sind dann bald stark besucht. Zu empfehlen ist
es daher, sich direkt von der Kasse auf den Parkplatz weisen zu lassen,
um den ruhigen Morgen im Affenland fotografisch zu nutzen. Nach dem
Mittag kommen kaum noch neue Gäste. Am Nachmittag ist daher das
Tierland in der Regel recht menschen- bzw. autoleer, da sich die meisten
Besucher nun in den anderen Parks aufhalten. Mit seiner Eintrittskarte
kann man dann nochmals die Kassen mit dem Auto passieren und im Tierland
während der ruhigeren Phase arbeiten.
Streifengnu (Connochaetes taurinus)
Nikon F 100, Nikkor 2.8/80-200mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Leider wird die Einfahrt in das Tierland in der Regel um 16.00 Uhr
geschlossen, und von der ersten bis zur 15. Sektion werden nach und nach
alle Tiere in die Ställe gelassen. Da der Park, außer in der
Hauptsaison, erst um 10.00 Uhr öffnet, können die besten
Lichtverhältnisse daher im Tierland nicht genutzt werden. Umso
sinnvoller ist ein Besuch an Tagen mit weniger grellem Sonnenlicht.
Immerhin können die abendlichen Warmtöne in den
Affenfreigehegen genutzt werden, denn die dortigen Öffnungszeiten
richten sich nach denen des Freizeitparks. Dieser hat
regelmäßig bis 19.00 Uhr geöffnet.
Lackschäden nicht ausgeschlossen
Die Führung im Serengetibus gibt einen guten Überblick.
Für die fotografische Arbeit kommt jedoch nur die Fahrt mit dem
Auto in Betracht. Da beinahe alle Tiersektionen ohne Absperrungen
zwischen Tieren und Autos auskommen, muss immer damit gerechnet werden,
dass kleinere Schäden am Auto entstehen können, für die
der Park nicht aufkommt. Mit dem geliebten und gehegten Neuwagen
empfiehlt sich daher die Durchfahrt nicht. Wer jedoch einige
Kleinigkeiten beachtet, wird in der Regel ohne Schaden davonkommen.
Grundsätzlich sind die Antenne einzuziehen und jegliche Aufbauten
oder Lasten (z.B. Fahrräder) abzunehmen. Autos mit Falt- oder
Stoffdächern sind für die Durchfahrt nicht zugelassen.
Eigentlich "autogefährlich" sind lediglich die Paviane und ggf.
die Schwarzbären. Man tut gut daran, nicht anzuhalten, wenn Paviane
in der Nähe sind. Haben sie erst mal ein Auto erklommen,
büßt man leicht einmal Teile der Scheibenwaschanlage,
Rückspiegel oder Scheibenwischer ein. Die Affen entwickeln dabei
unglaubliche Kräfte, z.B. wenn sie die Düsen der
Scheibenwaschanlage packen und diese mitsamt anhängender
Schläuche einfach herausziehen. Auch die Bären erklimmen schon
einmal ein Auto und hinterlassen unschöne Kratzer. Hier und da
entert einer der Löwen den Kofferraumdeckel eines Autos mit den
Vorderpranken und blickt direkt durch die Heckscheibe. Hier hilft nur
langsames Anfahren, bis das Tier des Hinterherhüpfens auf den
Hinterbeinen müde ist und -ohne Kratzer zu hinterlassen - "absitzt".
In der Regel kommt es nur dann zu Fahrzeugschäden, wenn die
Vorsichtsmaßnahmen bei den Affen und den Bären nicht
eingehalten werden.
Informationen
Serengetipark Hodenhagen GmbH
29691 Hodenhagen
Tel. 05164/531
Info- Tel. 0180/500 08 34
Internet: http://www.serengeti-park.de.
Anfahrt:
Auf der A 7 aus Richtung Hamburg oder Hannover bis zur Abfahrt
Westenholz, dort der Ausschilderung "Safaripark" folgen (ca. 3 km).
Öffnungszeiten:
April bis Oktober, Einlass 10-16 h, in der Hauptsaison 9-17 h,
Eintritt ca. 30,- DM/ Person.
Das Fotografieren ist überall kostenfrei erlaubt.
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