Am, im und unter Wasser
Fotografieren
im Zoo am Meer in Bremerhaven
von Carola Vahldiek
Der Zoo am Meer in Bremerhaven hat
sich ganz dem Wasser verschrieben.
Er beheimatet vor allem Tiere, die eng mit dem Meer verbunden sind.
Diese können sowohl im wie am, aber durch Glasscheiben vor allem
auch unter Wasser fotografiert werden. Diese Besonderheit macht den Zoo
für Naturfotografen besonders attraktiv.
Eis-Gummi-Bärchen.
Nikon F100, Nikkor 2.8/35-70mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Der direkt an der Wesermündung liegende, recht kleine Zoo, war bis
vor einigen Jahren für die dort gehaltenen Tiere sicherlich kein
Zuckerschlecken. Dem Zoo stand nur wenig Fläche zur
Verfügung, die sich eine ganze Reihe von Tierarten teilen musste.
Enge Gehege und dazu noch gechlortes Süßwasser in den
Becken, das die Augen der Tiere reizte, schränkte die
Lebensqualität der Tiere, aber auch die Attraktivität des
Zoos für Besucher ein. In den vergangenen Jahren hat der Zoo,
gefördert u. a. von der Europäischen Union und dem Land
Bremen, 25 Mio. Euro investiert. Die Anzahl der gezeigten Tierarten
wurde verringert, die Gehege vergrößert, die Becken mit
ungechlortem Salzwasser gefüllt. Auch der Raum für die
Besucher wurde verändert. Die Besucher können nur noch in
einzelnen Bereichen direkt in die Gehege sehen. Dies dient vor allem
der Ruhe der Tiere. Viele Bereiche sind mit nachgeformten
Felswänden abgeschirmt worden, bei denen die Besucher nur
durch Glasscheiben Blicke auf die Tiere erhaschen können. In einer
tiefer gelegenen Ebene befinden sich Glasscheiben auch in allen
Wasserbecken.
Der der Weser zugewandte Teil des Zoos ist den wassergebundenen Tieren
gewidmet: Eisbären, Seelöwen, Seehunde, Seebären,
Humboldtpinguine, Kormorane, Enten, Basstölpel. Weiterhin haben
Waschbären, Pumas, Schneehühner und Schneehasen, Keas,
Polarfüchse, Weißgesichtsseidenaffen,
Köhlerschildkröten und Schimpansen im Zoo ihre Heimat.
Fisch-Mahlzeit unter Wasser.
Nikon F100, Nikkor 2.8/35-70mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Auf Tauchgang mit den Eisbären
Die Eisbären sind die klaren Stars des Zoos. Wohl
einzigartig ist die Möglichkeit, im Zoo tauchende Eisbären zu
fotografieren. Das Eisbärenpaar fühlt sich im Zoo am Meer
augenscheinlich wohl. Es sorgt daher auch regelmäßig
für Nachwuchs. Die zwei Bären werden täglich mit 10 kg
Frischfleisch gefüttert und erhalten als Zwischenmahlzeit jeden
Tag um 16.00 h einige Fische. Diese Fütterung bietet, sofern man
sich rechtzeitig an der richtigen Scheibe postiert, hervorragende
Möglichkeiten, spannende Unterwasseraufnahmen der Eisbären zu
erhalten. Am liebsten nehmen die Eisbären die Fische nämlich
im Wasser an. Die Eisbären rudern im Becken herum und schauen sich
unter Wasser nach Fischen um. Dabei machen sie kaum Schwimmbewegungen,
da Fettschicht und im Fell eingeschlossene Luft ihnen genug Auftrieb
geben, um ohne Schwimmbewegungen im Wasser "sitzen" zu können. Die
Pfleger werfen die Fische teilweise direkt vor dem Schauglas ins
Wasser, sie sinken herab, wenn man Glück hat direkt vor die Linse.
Hat einer der Bären einen solchen Fisch entdeckt, schwimmt er,
umgeben von Luftbläschen, direkt auf die Scheibe zu und schnappt
sich seine Beute. Das beste Fenster, um solche Aufnahmen zu machen, ist
das erste in Rundgangrichtung.
Um hier ganz besondere Fotografien zu produzieren, sind allerdings
einige Tricks und Tipps zu beachten. Hinter der Glasscheibe kann ein
Blitz nicht eingesetzt werden, da die Reflexion das Bild verderben
würde. Es ist daher wichtig, ein lichtstarkes Objektiv oder einen
empfindlichen Film einzusetzen. Mit Telebrennweiten hat man hier wenig
Chancen auf gute Bilder. Da die Bären sowohl groß sind wie
auch sehr nahe kommen, hat mir mein 35-70 mm Zoomobjektiv die besten
Dienste geleistet. Mit diesem können die Bären, wenn sie bis
direkt an die Glassscheibe schwimmen und dadurch auch die Trübung
des Bildes durch das Wasser eingeschränkt ist, am besten
eingefangen werden. Noch besser wäre ggf. ein größerer
Zoombereich zwischen 25 und 180 oder 200 mm, wobei die Lichtstärke
dann problematisch werden dürfte, oder eine zweite Kamera mit
einem kleinen Teleobjektiv. Die Fütterungszeit der Eisbären
beschränkt sich täglich auf nur wenige Minuten. Es gilt,
während dieser kurzen Zeit alle sich bietenden Motive
möglichst formatfüllend auszunutzen.
Kämpfende Eisbären.
Nikon F100, Nikkor 2.8/35-70mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Fütterungszeit ist Fotozeit?
Bei allen Tieren ist die Fütterungszeit die "begehrteste" Zeit bei
allen Besuchern. Zusammen mit dem beschränkten Besucherplatz vor
den Fenstern oder an den Gehegen ist damit die Fütterungszeit aber
auch die schwierigste Zeit zum Fotografieren. Nur wer eine ausreichende
Zeit vor dem Fütterungstermin einen guten Platz einnimmt, wird
wirklich gute Motive erhalten. Da die Fütterungen vormittags und
nachmittags jeweils im Viertelstundentakt erfolgen, ist es kaum
möglich, in einem Durchgang alle Tierarten zur Fütterungszeit
von einer guten Position aus aufzunehmen. Besser ist es, nur jede
zweite oder ggf. auch nur jede dritte Fütterung einzuplanen, um
sich einen guten Platz zu sichern. Weiterhin muss man wissen, welche
Tierarten in aller Regel im Wasser und welche auf dem Land
gefüttert werden, um nicht vor einem Fenster unter Wasser zu
stehen, wenn das gesamte Geschehen über Wasser abläuft und
umgekehrt. So werden zwar die Eisbären im Wasser gefüttert,
die Seelöwen, Seehunde und Seebären aber vor allem an Land.
Hier werden nur die rangniederen Tiere, die sich nicht ins
Getümmel wagen, im Wasser versorgt. Bei den Pinguinen stand ich
beim ersten Besuch ebenfalls "unten" und sah während der ganzen
Fütterungszeit nicht eine Feder.
Zudem ist zu beachten, dass die Tiere, gerade wenn sie an Land
gefüttert werden, kaum ansprechende Motive bieten, da sie die
verfütterten Fische häufig direkt aus der Hand einer
Pflegerin entgegennehmen. Hier sind nur mit einem starken Teleobjektiv
und entsprechend eingeschränkter Perspektive ansprechende Bilder
zu erwarten. Die Fütterungszeit ist alles in allem daher nur
eingeschränkt auch eine gute Fotozeit.
Manchmal machen die Seelöwen
ihrem Namen alle Ehre.
Ihr Gebrüll ist dann im ganzen Zoo zu hören.
Nikon F100, Nikkor 2.8/80-200mm, Kodak Elite Chrome 100 Extra Colour
Reflexionen und saubere Scheiben
Problematisch sind die Reflexionen auf dem Glas der
Beobachtungsfenster. Zwar steht man vor dem Glas häufig in einer
Art Grotte, so dass sich der Lichteinfall von hinten beschränkt,
aber ausgeschaltet ist er damit nicht. Eine Abschirmung durch die Hand
oder ein dunkles Tuch ist umständlich und schwierig. Wer keinen
Polfilter einsetzt, kann sich als Hilfestellung einen
"Antireflektor Marke Eigenbau" bauen. Dazu wird in einen Pümpel
ein Loch entsprechend der Objektivgröße geschnitten. Er wird
vorn auf das Objektiv gesetzt wie eine Sonnenblende, kann aber im
Gegensatz zu einer solchen flexibel in verschiedenen Winkeln an das
Glas gesetzt werden, um alles Außenlicht abzuschirmen. Ein
solcher Pümpel, der für wenig Geld zu haben ist, hat mir bei
verschiedenen Gehegen beste Dienste geleistet, insbesondere bei denen,
wo die Besucher unter freiem Himmel vor einer reflektierenden
Glasscheibe stehen. Er hat zudem den Vorteil, dass er, vom
störenden reflektierten Licht abgesehen, zu keinerlei Lichtverlust
führt.
Wenig Freude hat man auch, wenn die Beobachtungsscheiben, insbesondere
in den Wasserbecken, verschmutzt und grün überzogen sind.
Gerade auf denjenigen, die nicht ganz senkrecht im Wasser stehen,
sammeln sich gern Algen. Wichtig zu wissen ist daher, dass die Scheiben
und Becken in aller Regel am Donnerstag gereinigt werden. (An diesem
Tag gibt es regelmäßig eine zusätzliche Fütterung
der Eisbären, dafür aber keine oder nur eingeschränkte
Fütterungen der anderen Arten.) Der beste Fototag ist damit der
Freitag. Am Samstag und Sonntag ist der Besucherandrang am
größten und die Chance, einen guten Platz zu ergattern und
längere Zeit dort verweilen zu können, ohne mit
ärgerlichen Worten und Blicken bedacht zu werden, am geringsten.
Ähnlich ist es am Montag, da montags Familientag ist. Ab Dienstag
aber sind die Scheiben bereits wieder relativ unsauber.
Gestaltung der Gehege
Bei der Gestaltung der Gehege hat man versucht, künstlich wirkende
Elemente zu vermindern. Dennoch sind viele Dinge, wie etwa gerade Fugen
oder Rohre, in den Gehegen zu sehen, die die Zooaufnahme verraten. Wer
dies verhindern will, muss häufig enge Ausschnitte wählen
oder genau darauf achten, wann sich das begehrte Fotoobjekt in einem
Bereich aufhält, in dem solche Elemente nicht vorhanden sind.
Eine weitere Schwierigkeit stellt sich insbesondere bei der Seehunden,
Seelöwen und Seebären. Diese Tiere heben sich mit ihrem
dunklen Fell schlecht von dunklen Felswänden oder dem dunklen
Wasser ab. Hilfreich ist es, sich einen Standpunkt zu suchen, von dem
aus die Tiere vor helleren, trockeneren Felsbereichen fotografiert
werden können.
Schmusestunde.
Nikon F100, Nikkor 2.8/80-200mm, Stativ, Kodak Elite Chrome 100 Extra
Colour
Fazit
Trotz der wenigen gezeigten Tierarten und des engen Raumes ist der Zoo
am Meer einen Fotoausflug allemal wert. Insbesondere die
Unterwassereinsichten bieten ungewöhnliche und spannende Motive.
Die Gehege sind größtenteils naturnah gestaltet, so dass
leicht auch Bilder gelingen, denen man ihre Entstehung im Zoo nicht
ansieht.
Informationen
Zoo am Meer Bremerhaven GmbH
H.-H.-Meier- Starße 5
27568 Bremerhaven
Tel. 0471/ 308 41 41
Fax. 0471/ 420 72
Internet:
http://www.zoo-am-meer-bremerhaven.de.
Anfahrt:
Auf der A 27 bis zur Abfahrt Bremerhaven- Mitte, den
Straßenschildern Seebaderkaje/ Zoo folgen.
Öffnungszeiten:
April bis September 9.00-19.00 h
März und Oktober 9.00-18.00 h
November bis Februar 9.00-16.30 h.
Eintritt Erwachsene 6,- €, Kinder 3,50 €, Schüler/ Studenten 4,50
€, montags 4,50€/ 2,50 €/ 3,50 €.
Das Fotografieren ist überall kostenfrei erlaubt.
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